FAQ zu Finetrading / Wareneinkaufsfinanzierung
Fragen zu Finetrading als alternative Auftrags-, Material- und Warenvorfinanzierung.
Was ist eine alternative Wareneinkaufsfinanzierung?
Im Gegensatz zur Bankfinanzierung erhalten Sie keinen Kredit, sondern ein vom ausgewählten Einkaufsfinanzier festgelegtes Einkaufslimit. Dieses ist u.a. abhängig von der Bonität und Ertragskraft Ihres Unternehmens, sowie von der Höhe des gezeichneten Warenkreditversicherungslimits auf Ihr Unternehmen.
Der Einkaufsfinanzierer (Finetrader) tritt nicht als klassisches Finanzierer (Bank) auf, sondern als Zwischenhändler zwischen Besteller und Lieferant. Weitere Details zu Ablauf, Kosten und Annahmekriterien finden Sie z.B. unter Finetrading-Anbieter.
Wer kann Finetrading / Wareneinkaufsfinanzierung nutzen?
Finetrading können Unternehmen in "geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen" nutzen, für die ein entsprechendes Rückerversicherungslimit gezeichnet werden kann. Grundvoraussetzungen sind hierfür u.a.:
- Das Unternehmen ist mindestens 3 Jahre operativ tätig und kann 2 Bilanzen (Jahresabschlüsse) vorlegen.
- Die vollständige Bilanz / Jahresabschluss 2018 muss erstellt sein.
- In 2018 + 2019 sollten möglichst Erträge erwirtschaftet worden sein.
- Der Umsatz des letzten Geschäftsjahres muss mind. 250 T€ betragen.
- Die zu finanzierende Ware ist frei handelbar, z.B. darf für den Handel keine Lizensierung erforderlich sein.
- Der aktuelle Index Creditreform sollte unter 295 liegen.
- Bei Vorkasse-Finanzierungen (im Einzelfall möglich) sollten bereits Erfahrungen mit dem Lieferanten vorliegen, insbesondere bei Bestellungen außerhalb der EU.
Wann kann der Einsatz von Finetrading sinnvoll sein?
Finetrading sollte aus betriebswirtschaftlicher Betrachtung nur dann eingesetzt werden, wenn
- keine anderen Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen
- mit dem beabsichtigten Wareneinkauf eine sehr hohe Marge (Deckungsbeitrag III) erzielt werden kann
- als ergänzende Zusatzfinanzierung, wenn z.B. der Kontokorrentrahmen den Finanzierungsbedarf nur teilweise abdeckt
- als situative Brückenfinanzierung bei Bedarf (unter Berücksichtigung der Punkte 1. + 2.)
Das Unternehmen benötigt z.B. für einen Auftrag 300 T€ zur Material- oder Warenvorfinanzierung. Hiervon können 200 T€ über die Kontokorrentlinie oder eigene liquide Mittel finanziert werden. Hier kann es unter Umständen sinnvoll sein die fehlenden 100 T€ für den Einkauf über Finetrading abzubilden, da sonst der komplette Auftrag nicht ausgeführt werden könnte.
Warum ist Finetrading so teuer?
Es gibt mehrere Gründe für die teilweise sehr hohen Kosten (je nach Anbieter).
- zu viele betriebswirtschaftlich weniger gut aufgestellte Unternehmen "erhalten" Finetrading, dadurch ist
- die Schadensquote (Forderungsausfälle) bei Finetrading sehr hoch, was zu
- hohen Rückversicherungsprämien beim Warenkreditversicherer führt, häufig auch mit
- hohen Selbstbeteiligungen der Einkaufsfinanzierer / Finetrader
- sehr wenige Anbieter bei starker Nachfrage mit hohem Ausfallrisiko auf Seiten des Anbieters führt zu teuren Konditionen
FAQ zum Unternehmerkredit
Fragen und Antworten zum Unternehmerkredit überregionaler Banken.
Unter welche Voraussetzungen kann ich den Unternehmerkredit anfragen?
Der Unternehmerkredit wird von einigen überregional tätigen Geschäftsbanken angeboten. Meist ist eine persönliche Bürgschaft erforderlich, auf dingliche Sicherheiten verzichten fast alle Banken, da die Darlehensvergabe auf die Bonität des Unternehmens abgestellt wird.
Grundvoraussetzungen für eine Beantragung sind:
- Das Unternehmen muss seit mindestens 3 Jahren operativ tätig sein.
- Der Vorjahresumsatz muss mind. 1 Mio. € betragen.
- Die vollständige Bilanz / Jahresabschluss für das Vorjahr muss erstellt sein.
- In den letzten beiden Geschäftsjahren sollten keine Verluste erwirtschaftet worden sein.
- Eine ausreichende Kapitaldienstfähigkeit muss aus den eingereichten betriebswirtschaftlichen Unterlagen abgeleitet werden können.
- Der aktuelle Index Creditreform darf maximal 285 betragen.
- Der persönliche Schufa-Score des Inhabers/Geschäftsführers/Eigentümers sollte mindestens 9.700 betragen.
- Es dürfen keinerlei Negativmerkmale in den letzten 120 Tagen vorliegen, wie z.B. Kontenpfändung, Bankrücklastschriften mangels Deckung, Mahn- oder Vollstreckungsbescheide oder Vergleichbares.
Welche Konditionen bietet der Unternehmerkredit?
- Der Zins bewegt sich je nach Bonität des Unternehmens und ausgewählter Bank zwischen 1,65 - 8,85 % (Stand 31.01.2020).
- Die Darlehenshöhe kann abhängig von der Unternehmensgröße und Branche 25 T€ - 5.0 Mio. € betragen
- Die Kreditlaufzeit beträgt 12 - 60 Monate.
- In Einzelfällen (bei sehr guter Bonität) kann auch ein Kontokorrentkredit zur Verfügung gestellt werden
Welche Bearbeitungszeit ist realistisch?
Die nachfolgenden Angaben erfolgen unter Vorbehalt, da sich das Antragsvolumen auf Grund der Corona-Krise vervielfacht hat.
- Aktuell bedarf die Prüfung nach Vorlage aller zur Antragsprüfung erforderlichen Unterlagen 4 - 8 Werktage (je nach Bank).
- Die anschließende Auszahlung (bei positiver Entscheidung) erfolgt innerhalb von weiteren 2-4 Arbeitstagen.
Weshalb wird in den meisten Fällen auf dingliche Sicherheiten verzichtet?
Die Verwertungserlöse (z.B. des Lagerbestands) betragen im Falle einer Insolvenz statistisch nur einen Bruchteil des Einkaufswertes. Daher haben die kooperierenden Banken an einer möglichen späteren Sicherheiten Verwertung im Worst-Case (Zahlungsunfähigkeit, Insolvenz) keinerlei Interesse.
Stattdessen erfolgt die Vergabe an Unternehmen mit einem aus Bankensicht zukunftsfähigen Geschäftsmodell, guter Bonität und ausreichender Kapitaldienstfähigkeit. Bei dem Genehmigungsprozess wird daher größten Wert auf die betriebswirtschaftliche Stabilität und nachhaltige Kapitaldienstfähigkeit des anfragenden Unternehmens gelegt.
